Lernermotivation steigern: Was wir von Marketingprofis lernen können

Lernermotivation steigern: Was wir von Marketingprofis lernen können

Auch wenn es im ersten Moment nicht so scheint – E-Learning Entwickler und Marketingspezialisten haben viele Gemeinsamkeiten.

Beide stehen vor den gleichen großen Herausforderungen:

Wie schaffen wir es, die Aufmerksamkeit von Menschen für ein bestimmtes Thema zu erregen?

Wie schaffen wir es, Denk- und Verhaltensgewohnheiten zu durchbrechen und in neue Richtungen zu lenken?

Während Marketingprofis ein Produkt verkaufen wollen, wollen wir als Bildungs- oder Schulungsanbieter unsere Lerninhalte “verkaufen”.

Was können wir also von Marketingprofis lernen?

Wie sich herausstellt, eine ganze Menge.

In der heutigen Zeit, in der unzählige Ablenkungen an jeder Ecke lauern, müssen wir zunächst die Aufmerksamkeit unserer Lerner gewinnen, bevor wir überhaupt eine Chance haben, unsere (Lern-) Inhalte zu präsentieren.

Geschickte Marketingprofis wissen wie sie mithilfe von Emotionen und ansprechendem Design ihre Zielgruppe erreichen können.

Es gibt einen Grund, warum man in (erfolgreichen) Werbeanzeigen keine langen Listen mit Aufzählungen der (vermeintlichen) Vorteile des Produktes sieht.

Warum wir uns auf das Reptiliengehirn konzentrieren sollten

Zahlreiche Studien haben es bewiesen: wir Menschen sind keine rationalen Wesen – insbesondere was (Kauf-) Entscheidungen betreffen.

Der größte Teil unseres Gehirns ist mit automatischen Prozessen beschäftigt, nicht mit bewusstem Denken.

Die meiste Zeit schaltet unser Gehirn auf Autopilot, während wir glauben, wir wüssten, was wir tun.

Und hier kommt das Reptiliengehirn ins Spiel.

Das Reptiliengehirn (Stammhirn) ist der älteste Teil unseres Gehirns. Hier finden vor allem die für uns unbewussten Prozesse statt, z.B. Steuerung der Grundfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und Balance.

Die Hauptaufgabe dieses Teils des Gehirns besteht darin, unser Überleben und die Fortpflanzung zu sichern.

Direkt über dem Reptiliengehirn befindet sich das sogenannte “limbische System”. Hier werden unsere Gefühle in Zusammenarbeit mit dem Reptiliengehirn gesteuert. Reptiliengehirn und limbisches System sind ein fein aufeinander abgestimmtes Duo.

In vielen Veröffentlichungen wird daher das limbische System miteingeschlossen, wenn von “Reptiliengehirn” die Rede ist.

So auch in diesem Artikel.

Tatsächlich treffen wir unsere Entscheidungen hauptsächlich mithilfe unseres (unbewussten) Reptiliengehirns.

Um die Aufmerksamkeit unserer Lerner zu erregen, sollten wir uns also zunächst fragen:

Worauf reagiert das Reptiliengehirn?

Das Reptiliengehirn reagiert insbesondere auf Folgendes:

  • greifbare, persönlich relevante Dinge
  • visuelle Reize bzw. Bilder
  • Emotionen (Schmerz vs. Freude)

Was bedeutet dies nun für die Praxis?

Keep it simple!

Das Reptiliengehirn mag keine komplizierten oder abstrakten Dinge, die es nicht unmittelbar versteht. Es interessiert sich auch nicht für Themen, die es persönlich nicht betreffen.

Daher sollten wir darauf achten, dass unsere Inhalte

  • für den Lerner einfach zu verstehen und schnell zu erfassen sind
  • einen unmittelbaren Bezug zum Lerner haben
  • in einen für den Lerner relevanten Kontext eingebettet sind
  • kurz und auf den Punkt sind

Gerade zu Beginn einer Lerneinheit sollte außerdem insbesondere folgende Frage beantwortet werden:

Was habe ich (persönlich) davon, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige?

Marketingprofis sind Meister darin, kurze aber prägnante Botschaften zu formulieren, die die Zielgruppe sofort ansprechen.

Starten Sie mit dem Titel Ihres Kurses oder Ihrer Lerneinheit. Wie können Sie diesen so formulieren, dass er sofort die Aufmerksamkeit der Lerner erregt?

Wie wäre es statt:

“Einführung in die Kundenkommunikation – Umgang mit Beschwerden”

mit

“Wie du in 5 Schritten jede Beschwerde in ein unvergessliches Kundenerlebnis verwandelst”

Was das Formulieren von effektiven Kurstiteln angeht, können wir uns übrigens einiges von erfolgreichen Bloggern anschauen.

Diese nutzen den Effekt von neugierig-machenden Überschriften, damit Leser auf ihren Artikel klicken.

Ein wenig Inspiration finden Sie im “Chimpify-Blog”.

Keep it visual!

90% der Informationen, die an unser Gehirn weitergegeben werden, sind visueller Natur.

Außerdem werden Bilder 60.000 mal schneller verarbeitet als Text.

Verschiedenste Studien zeigen zudem, dass Menschen allein auf Basis vom äußeren Erscheinungsbild innerhalb von Millisekunden entscheiden, ob sie eine Sache oder Person interessant bzw. sympathisch finden oder nicht.

Daher sollten wir uns immer die Mühe machen, unsere Inhalte visuell ansprechend zu präsentieren – seien es Präsentationen, Online-Module, Infografiken, Handouts oder Arbeitsblätter.

Die Motivation, sich beispielsweise mit einem Arbeitsblatt oder einem Dokument zu befassen, steigt wenn der Lerner es visuell ansprechend findet.

Zudem sollten wir versuchen, wann immer möglich, Bilder anstatt Texte zu verwenden bzw. den Textanteil so gering wie möglich zu halten.

Keep it emotional!

Das Reptiliengehirn reagiert stark auf Emotionen (limbisches System). Dabei versucht es vor allem, negative Gefühle (Schmerz) zu vermeiden und gleichzeitig die Häufigkeit positiver Emotionen (Freude, Vergnügen) zu erhöhen.

Wie können wir uns dies zunutze machen?

Um die Aufmerksamkeit unserer Lerner für ein bestimmtes Thema zu erregen, können wir:

  • entweder aufzeigen, wie die Beschäftigung mit dem Thema dazu beiträgt, für den Lerner erstrebenswerte (positive) Dinge zu erreichen, z.B. mehr Anerkennung, mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Zeit, mehr Gesundheit, mehr Selbstbewusstsein, etc.
  • oder zeigen, wie der Lerner durch Beschäftigung mit dem Thema, bestimmte negative Konsequenzen vermeiden kann (Vermeidung von Schmerz), z.B. Gefahrensituation, Verlust von etwas Wichtigem, Gesundheitsprobleme, peinliche Situationen, etc.

Aber auch hier gilt: es bringt nichts, dem Lerner einfach nur zu sagen, dass er sich nach Beschäftigung mit einem bestimmten Thema besser fühlen wird.

Wir erinnern uns: das Reptiliengehirn reagiert nicht auf Logik.

Wir müssen es ihm zeigen.

Wie?

Mit Geschichten.

Das Reptiliengehirn liebt Geschichten. Denn Geschichten leben von Einfachheit, Bildern bzw. Bildsprache und Emotionen.

Wenn wir unsere Lerner beispielsweise für das Thema “Datensicherheit” sensibilisieren wollen, können wir die Geschichte von einem jungen Mann erzählen, der nicht nur selbst Opfer eines Hackerangriffs wurde, sondern durch ein paar kleinen Unachtsamkeiten – die jedem von uns tagtäglich passieren können – einen Millionenschaden für sein Unternehmen verursachte. Und nun muss er die Konsequenzen dafür tragen.

Niemand möchte für einen Millionenschaden verantwortlich sein (Vermeidung von Schmerz). Daher möchte natürlich jeder wissen, welche “kleinen Unachtsamkeiten” genau zu diesem Fiasko führten – und wie man diese vermeiden kann.

Fazit:

Bildungsexperten können sich einiges vom Marketing abschauen, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Lerner für ein bestimmtes Thema zu erregen.

Aufmerksamkeit und Interesse sind notwendig, damit wir überhaupt die Chance haben, dass unseren Inhalten Gehör geschenkt wird.

Und da wir die ganze Zeit von der Wichtigkeit von visuellen Reizen gesprochen haben, hier die wichtigsten Punkte noch einmal in folgender Präsentation zusammengefasst (erstellt mit H5P Course Presentation):

Quelle: Mike Taylor: “Steal from Marketing”

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